Die langfristige Aufbewahrung historischer Fotoalben erfordert eine gezielte Kontrolle von Feuchtigkeit, Temperatur und Licht sowie den bewussten Verzicht auf schädliche Klebstoffe.
Das Mikroklima im Heimarchiv steuern
Papier, Karton und die chemischen Emulsionen historischer Fotografien reagieren hochempfindlich auf Schwankungen der Luftfeuchtigkeit und der Raumtemperatur. Der ideale Aufbewahrungsort für Fotoalben liegt bei einer konstanten Raumtemperatur zwischen 15 und 20 Grad Celsius und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 30 bis 40 Prozent. Zu hohe Feuchtigkeit begünstigt das Wachstum von Schimmelpilzen und führt zum Quellen der Gelatineschichten auf den Bildern. Zu trockene Luft hingegen macht die Trägerpapiere spröde und lässt sie brechen.
Vermeiden Sie die Lagerung in Kellern oder auf Dachböden, da diese Zonen extremen saisonalen Schwankungen unterliegen. Lagern Sie Alben stattdessen in bewohnten, gut belüfteten Räumen. Die Alben sollten flach liegend in säurefreien Archivkartons aufbewahrt werden, um eine mechanische Belastung des Buchrückens und der Bindung durch das Eigengewicht zu verhindern.
Schutz vor photochemischem Abbau
Elektromagnetische Strahlung, insbesondere das ultraviolette Spektrum des Sonnenlichts sowie künstliches Halogenlicht, initiiert photochemische Prozesse in den Fotopigmenten. Dies führt zum Verblassen der Farben und zur Vergilbung des Trägerpapiers. Bewahren Sie Alben daher stets im Dunkeln auf.
Für die Betrachtung empfiehlt sich die Nutzung von diffusem LED-Licht, das keine UV-Strahlung und minimale Wärme abgibt. Wenn Sie einzelne Seiten für längere Zeit offen präsentieren möchten, sollten Sie hochwertige Faksimiles anfertigen und die Originale im geschlossenen Zustand im Archiv belassen.
Die Chemie der Materialien verstehen
Viele historische Fotoalben enthalten säurehaltige Papiere oder wurden mit säurehaltigen Universalklebern und ungeeigneten Klebestreifen repariert. Säuren greifen die Zellulosefasern des Papiers an und führen zu einem säurekatalysierten Abbau, der das Papier braun und brüchig macht. Verwenden Sie für die Pflege und Restaurierung ausschließlich zertifizierte, säurefreie Materialien mit dem sogenannten PAT-Stempel (Photographic Activity Test).
- Verwenden Sie spezielle Fotoecken aus weichmacherfreiem Polyester oder Polypropylen statt flüssiger Klebstoffe.
- Legen Sie zwischen die einzelnen Albumseiten dünnes, ungepuffertes Seidenpapier, um ein Verkleben der Fotooberflächen miteinander zu verhindern.
- Vermeiden Sie herkömmliche Klarsichthüllen aus PVC, da diese Weichmacher abgeben, die die Fotoemulsion chemisch zersetzen.
Mechanische Belastung beim Handling minimieren
Die physische Handhabung ist eine der häufigsten Ursachen für Schäden an historischen Alben. Das Hautfett an den Fingern enthält Aminosäuren und Salze, die sich auf den Bildoberflächen ablagern und im Laufe der Jahre irreversible Flecken verursachen. Tragen Sie beim Blättern in den Alben stets saubere, fusselfreie Baumwollhandschuhe oder spezielle Nitrilhandschuhe.
Blättern Sie die Seiten nur langsam und flach auf, ohne Zug auf die Bindung auszuüben. Sollten sich Seiten oder Fotos bereits gelöst haben, bewahren Sie diese lose in einer schützenden Polyesterhülle innerhalb des Kartons auf, anstatt improvisierte Reparaturen mit handelsüblichen Klebebändern durchzuführen.