Kaffeefette und -öle setzen sich bei jedem Brühvorgang unweigerlich in den Leitungen, Sieben und der Brühgruppe Ihrer Kaffeemaschine ab. Um gesundheitsschädliche Schimmelbildung und eine schleichende Geschmacksminderung des Kaffees zu verhindern, ist eine regelmäßige, gezielte Reinigung mit speziellen Reinigungstabletten physikalisch und chemisch notwendig.
Die chemische Wirkungsweise von Reinigungstabletten
Im Gegensatz zu Kalkablagerungen bestehen die Rückstände in der Brühgruppe primär aus organischen Lipiden (Fetten), Proteinen und verbrannten Kaffeepartikeln. Diese Stoffe sind hydrophob, also wasserabweisend, und lassen sich durch einfaches Spülen mit klarem Wasser nicht lösen. Reinigungstabletten enthalten daher eine Kombination aus hochwirksamen Tensiden und sauerstoffbasierten Bleichmitteln, meist Natriumpercarbonat.
Sobald die Tablette mit heißem Wasser in Kontakt kommt – ideal ist eine Temperatur von 80 °C bis 90 °C –, zerfällt das Natriumpercarbonat und setzt aktiven Sauerstoff frei. Dieser Oxidationsprozess bricht die langen Kohlenstoffketten der Kaffeefette auf und zersetzt organische Ablagerungen. Gleichzeitig setzen die Tenside die Oberflächenspannung des Wassers herab. Dadurch kann die Reinigungslösung selbst in feinste Mikrosiebe eindringen, die Fettmoleküle umschließen und sie in eine wasserlösliche Emulsion überführen, die einfach weggespült wird.
Warum Entkalken nicht gleich Reinigen ist
Ein häufiger Fehler bei der Maschinenpflege ist die Verwechslung von Entkalkung und Reinigung. Beide Prozesse erfordern grundlegend unterschiedliche chemische Milieus:
- Entkalkung (saures Milieu): Kalk (Calciumcarbonat) wird durch Säuren wie Milchsäure, Zitronensäure oder Sulfaminsäure gelöst. Diese Säuren sind jedoch völlig wirkungslos gegen Kaffeefette.
- Reinigung (alkalisches Milieu): Kaffeefette benötigen ein leicht alkalisches Medium, um verseift und gelöst zu werden. Ein saurer Entkalker kann diese Fette nicht angreifen, während eine alkalische Reinigungstablette wiederum keinen Kalk löst.
Für eine einwandfreie Funktion und Hygiene des Geräts müssen daher beide Wartungsschritte unabhängig voneinander und mit den jeweils dafür vorgesehenen Mitteln durchgeführt werden.
Wann ist es Zeit für das Reinigungsprogramm?
Die meisten modernen Kaffeevollautomaten verfügen über einen internen Brühzyklus-Zähler, der nach etwa 200 bis 360 Tassen automatisch zur Reinigung auffordert. Doch auch ohne elektronischen Hinweis gibt es eindeutige physikalische und sensorische Signale:
- Veränderter Kaffeegeschmack: Schmeckt der Kaffee plötzlich unangenehm bitter, holzig oder ranzig, sind oxidierte Fettrückstände in den Leitungen die Ursache.
- Reduzierte Durchflussgeschwindigkeit: Wenn der Kaffee nur noch tröpfchenweise oder sehr langsam aus dem Auslauf austritt, sind die feinen Poren des Brühsiebs durch verharzte Kaffeefette verstopft.
- Instabile Crema: Eine unregelmäßige, schnell zusammenfallende Crema deutet auf einen gestörten Druckaufbau durch verunreinigte Ventile hin.
Ablauf und optimale Durchführung des Reinigungsprozesses
Um die chemische Wirkung der Tablette voll auszuschöpfen, sollte das integrierte Reinigungsprogramm stets exakt nach Herstellervorgabe gestartet werden. Die Platzierung der Tablette ist dabei entscheidend: Sie gehört in den dafür vorgesehenen Pulverschacht der Brühgruppe und niemals in den Wassertank. Gelangt das Reinigungsmittel in den Wassertank, umgeht es die Brühgruppe und kann zudem die empfindlichen Dichtungen und Pumpen im Ansaugbereich beschädigen.
Das Reinigungsprogramm steuert den Wasserfluss in Intervallen. Diese Pausen sind essenziell, da die chemische Einwirkzeit der gelösten Tenside benötigt wird, um die Fettschichten vollständig zu durchdringen. Nach Beendigung des Programms empfiehlt es sich, mindestens zwei leere Brühvorgänge mit reinem Wasser durchzuführen, um jegliche alkalische Tensidreste restlos aus dem System zu spülen.